Selbstwirksamkeit am Arbeitsplatz: Vom Reagieren hin zum Gestalten
- Urs Bussmann

- 6. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Selbstwirksamkeit beschreibt das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, anspruchsvolle Herausforderungen aufgrund eigener Kompetenzen erfolgreich zu bewältigen. Im Arbeitskontext bedeutet das: Ich glaube daran, dass ich meine Aufgaben den Erwartungen entsprechend erfüllen kann, Probleme als Chance wahrnehme und zielführende Lösungen finde.
Albert Bandura, einer der bedeutendsten Psychologen des 20. Jahrhunderts, erforschte das Konzept der Selbstwirksamkeit in den 1970er-Jahren. Wer erlebt, dass er eine schwierige Situation aus eigener Kraft bewältigen kann, entwickelt ein starkes Selbstwirksamkeits-empfinden. Dieses überträgt sich auch auf andere Lebensbereiche und stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Bandura zeigte in seiner Forschungsarbeit, dass Selbstwirksamkeit ein zentrales psychologisches Konstrukt darstellt, das das gesamte Selbstbild beeinflussen kann.
Die vier Quellen der Selbstwirksamkeit nach Bandura
Bandura identifizierte vier Wege, wie Selbstwirksamkeit entsteht:
Mastery Experiences (eigene Erfolgserlebnisse)
Die stärkste Quelle. Wenn wir Herausforderungen selbst meistern, liefert das unserem Gehirn einen klaren Beweis: „Ich kann das.“
Lernen durch Beobachtung (Beobachtung anderer)
Wenn wir sehen, dass ähnliche Menschen erfolgreich sind, steigt unsere eigene Zuversicht, dass wir das auch realisieren können.
Verbale Überzeugung (Ermutigung)
Zuspruch von anderen kann uns helfen, überhaupt den ersten Schritt zu wagen, wirkt aber schwächer als eigene Erfahrungen.
Physiologische und emotionale Zustände
Entscheidend ist, wie wir körperliche Reaktionen, beispielsweise Nervosität interpretieren.
Niedrige Selbstwirksamkeit: „Mein Herz rast -> ich werde scheitern“
Hohe Selbstwirksamkeit: „Mein Herz rast -> ich bin bereit und fokussiert“
Selbstwirksamkeit als Schlüsselfaktor der Arbeitswelt von heute und morgen.
Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit gehen Aufgaben aktiver und selbstbewusst an. Sie sehen Schwierigkeiten primär als Chance und schalten ihr Mindset auf Lösungsorientierung um. Sie finden zudem in ihrer Arbeit eine hohe Sinnhaftigkeit und Zufriedenheit. Das wirkt sich auf mehrere Ebenen aus:
Motivation: Selbstwirksamkeit fördert die intrinsische Motivation und stellt somit eine zentrale Einflussgrösse für motivationale Prozesse dar.
Resilienz: Rückschläge werden reflektiert und als Lerngelegenheiten genutzt, wodurch optimierte Lösungsstrategien entwickelt werden.
Lernfähigkeit: Selbstwirksamkeit ist eine zentrale Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit, da sie die Bereitschaft und Fähigkeit fördert, kontinuierlich zu lernen und sich an neue Anforderungen anzupassen.
Zufriedenheit: Selbstwirksamkeitserfahrungen wirken sich positiv auf das subjektive Wohlbefinden und die allgemeine Lebenszufriedenheit aus.
In einem Arbeitsumfeld, das zunehmend durch Volatilität, Unsicherheit, Zeitdruck und Komplexität gekennzeichnet ist, stellt Selbstwirksamkeit eine zentrale psychologische Ressource dar. Sie beeinflusst das Selbstbild nachhaltig und stärkt die wahrgenommene Handlungsfähigkeit.
5 Wege, welche deine Selbstwirksamkeit stärken
1. Kleine Erfolge sichtbar machen
Selbstwirksamkeit wächst durch Erfahrung. Notiere dir bewusst, was du geschafft hast, auch kleine Dinge. Erfolg ist oft leiser, als wir denken.
2. Herausforderungen dosiert wählen
Wachstum entsteht ausserhalb der Komfortzone, aber nicht im völligen Chaos. Suche dir Aufgaben, die dich fordern, aber nicht überfordern.
3. Deine innere Stimme hinterfragen
„Ich kann das nicht“ ist selten eine Tatsache, eher eine Interpretation. Ersetze solche Gedanken durch realistischere Perspektiven: „Ich kann es noch nicht, aber ich kann es lernen.“
4. Feedback gezielt nutzen
Konstruktives Feedback hilft dir, deine Fähigkeiten realistischer einzuschätzen. Wichtig ist, zwischen Kritik an der Sache und Kritik an dir als Person zu unterscheiden.
5. Vorbilder beobachten
Zu sehen, wie andere Herausforderungen meistern, kann inspirierend wirken. Voneinander und miteinander lernen ist bedeutsam und gibt neuen Ideen den notwendigen Raum.
Leadership als zentraler Einflussfaktor auf die Selbstwirksamkeit von Mitarbeitenden
Selbstwirksamkeit ist nicht nur eine individuelle Aufgabe, sondern entsteht im Zusammenspiel mit organisationalen und teambezogenen Einflüssen. Dabei spielen insbesondere folgende Aspekte eine zentrale Rolle:
Leadership: Führungskräfte fördern Autonomie, indem sie Mitarbeitende befähigen, eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.
Psychologische Sicherheit: Gegenseitiger Respekt, Wertschätzung und ein offener Dialog fördern ein Umfeld, in dem sich Mitarbeitende sicher fühlen, ihre Meinungen und Ideen einzubringen.
Klarheit und Orientierung: Klare und transparente Zielsetzungen schaffen Orientierung und stärken eigenverantwortliches Handeln.
Anerkennung: Die Anerkennung und Wertschätzung erbrachter Leistungen fördern das gegenseitige Vertrauen und Stärken die Selbstwirksamkeit.
Fazit
Selbstwirksamkeit ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Prozess. Sie entsteht durch Erfahrungen, Reflexion und unterstützende Rahmenbedingungen. Gerade in einer Arbeitswelt, die von stetiger Veränderung geprägt ist, zählt sie zu den zentralen Fähigkeiten. Führungskräfte nehmen bei der Förderung der Selbstwirksamkeit eine zentrale Rolle ein, indem sie Mitarbeitenden Gestaltungsspielräume geben und eigenverantwortliches Handeln ermöglichen.



